Entdecke die Welt – Abenteuer, Tipps & Inspiration fürs Reisen!

Fachkräftemangel im Gastgewerbe: Was Reisende 2026 erwartet
Rekordnachfrage im Tourismus, aber dünnes Personal: Deutsche Hotels und Restaurants finden trotz Rekordübernachtungen nicht genug Fachkräfte. Zwar hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt zuletzt entspannt — erstmals seit der Pandemie gab es im Hotel- und Gastgewerbe wieder mehr Arbeitslose als offene Stellen. Doch die Fachkräftelücke bleibt, wie aktuelle Analysen zeigen. Wer 2026 reist, wird die Folgen an mancher Rezeption und in manchem Speisesaal spüren.
Das Statistische Bundesamt (Destatis) meldete im Februar 2026 für das Jahr 2025 mit 497,5 Millionen Gästeübernachtungen einen neuen Rekordwert — 0,3 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2024. Allein im Dezember 2025 verbuchten die Beherbergungsbetriebe 32,0 Millionen Übernachtungen, ein Plus von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Getragen wird der Anstieg vor allem von Gästen aus dem Inland: Rund 414 Millionen Übernachtungen entfielen auf Inlandsgäste, während die Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland um 1,8 Prozent auf rund 84 Millionen zurückgingen.
Hinter dem Rekord steht jedoch eine Branche unter Kostendruck. Nach Angaben des Deutschen Hotellerie- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) ging die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Stellen im Gastgewerbe im Oktober 2025 gegenüber dem Vorjahr um 21,8 Prozent zurück — deutlich stärker als in der Gesamtwirtschaft mit minus 9,5 Prozent. In der Beherbergung wurden 7.457 Stellen gemeldet (minus 17,5 Prozent), in der Gastronomie 11.646 (minus 24,4 Prozent).
Trendwende mit Haken
Die Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) beschreibt in einer aktuellen Analyse eine Trendwende: Im Jahresdurchschnitt von Juli 2024 bis Juni 2025 standen erstmals wieder 33.051 Arbeitslosen nur noch 29.717 offene Stellen für qualifizierte Kräfte gegenüber. Zum Vergleich: 2022, dem Höhepunkt des pandemiebedingten Nachholeffekts, waren im Jahresdurchschnitt über 19.000 Stellen rechnerisch nicht besetzbar. Bis Mitte 2025 ging die Zahl der offenen Stellen gegenüber 2022 um 35 Prozent zurück.
Trotzdem bleibt eine Fachkräftelücke von 2.703 fehlenden Fachkräften. Der Grund, so die KOFA-Analyse: Nicht jede arbeitslose Person passt auf jede offene Stelle. Mehr als zwei Drittel der Lücke entfallen auf Kräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung — rechnerisch blieben zuletzt über 1.850 offene Stellen auf diesem Anforderungsniveau unbesetzt. Unter Spezialistinnen und Spezialisten mit Bachelor- oder Fortbildungsabschluss fehlten 850 Personen; die Stellenüberhangsquote liegt dort bei 25,8 Prozent, also bei mehr als jeder vierten offenen Stelle.
Systemgastronomie am stärksten betroffen
Am größten ist der Engpass nach KOFA-Angaben unter den Fachkräften der Systemgastronomie: Von knapp 1.700 offenen Stellen in diesem Beruf konnten zuletzt 832 rechnerisch nicht besetzt werden — eine Quote von 49,2 Prozent. Es ist der einzige von 20 untersuchten Berufen für Qualifizierte im Hotel- und Gastgewerbe, der seit 2010 durchgehend Engpässe verzeichnet, selbst während der Corona-Pandemie. Im Gastronomieservice — einem großen Beruf mit mehr als 158.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten — fehlen über 600 ausgebildete Fachkräfte; 12 Prozent der dort über 5.000 offenen Stellen blieben rechnerisch unbesetzt. Zusammen machen beide Berufe 53,1 Prozent der gesamten Fachkräftelücke in der Branche aus.
Für Reisende zeigt sich der Mangel nach Branchenangaben in kürzeren Öffnungszeiten, eingeschränkten Speisekarten und zeitweise geschlossenen Betrieben. Die KOFA-Studie führt den Rückgang der offenen Stellen auf sinkende Umsätze, steigende Kosten für Lebensmittel und Personal sowie eine Konsumzurückhaltung der Gäste zurück. Viele Betriebe senken ihren Personalbedarf durch kürzere Öffnungszeiten oder vollständige Schließung.
Eine zentrale Stellschraube bleibt der Ausbildungsmarkt. Hier greifen die Betriebe zunehmend auf internationale Bewerberinnen und Bewerber zurück: Zwischen 2013 und 2023 hat sich der Anteil neuer Auszubildender mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Hotel- und Gastgewerbe mehr als vervierfacht. Von den rund 23.400 im Jahr 2023 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen entfielen etwa 10.400 auf Bewerberinnen und Bewerber mit ausländischer Nationalität — 44,3 Prozent, während es in anderen Ausbildungsberufen nur 10,9 Prozent waren. Ohne die Gewinnung ausländischer Auszubildender wären die Neuabschlüsse in der Branche seit 2019 um 19,3 Prozent gesunken, so die KOFA-Berechnung. Tatsächlich sank die Zahl der Neuabschlüsse gegenüber 2019 um 27,1 Prozent.
Der DEHOGA-Zahlenspiegel für das dritte Quartal 2025 verzeichnet bei den gastgewerblichen Ausbildungsberufen insgesamt 50.738 Auszubildende, ein Plus von 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig blieb im Ausbildungsjahr 2023 mehr als jede vierte gemeldete Ausbildungsstelle (25,3 Prozent) unbesetzt.
Was Reisende 2026 erwarten können
Für Urlauberinnen und Urlauber bedeutet die Gemengelage: Die Betriebe sind da, die Nachfrage ist hoch — aber die personelle Decke bleibt dünn. Branchenvertreter weisen darauf hin, dass Reservierungen in Restaurants und bei gefragten Ausflugsangeboten in der Hauptsaison weiter an Bedeutung gewinnen. Auch eingeschränkte Rezeptionszeiten in Hotels und die Ausweitung digitaler Abläufe — vom Online-Check-in bis zur Bestellung per QR-Code — gelten als Folgen des anhaltenden Personalmangels. Die durchschnittliche Vakanzzeit offener Stellen in Deutschland erreichte im Oktober 2025 mit 161 Tagen einen neuen Höchstwert für diesen Monat; 2010 waren es noch 56 Tage.
Der Deutsche Tourismusverband (DTV) sieht neben dem Personalthema eine weitere Baustelle: Die touristische Infrastruktur müsse mit der steigenden Nachfrage Schritt halten, warnte DTV-Präsident Reinhard Meyer nach Veröffentlichung der Rekordzahlen. Angesichts angespannter kommunaler Haushalte drohe die Basisinfrastruktur in den Tourismusregionen zu bröckeln.
Quellen:
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Tourismus in Deutschland im Jahr 2025: Erneut Rekordwert bei Gästeübernachtungen
- Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) / Institut der deutschen Wirtschaft: KOFA Kompakt 8/2025: Hotel- und Gastgewerbe
- DEHOGA Bundesverband: DEHOGA-Zahlenspiegel 3. Quartal 2025
- Deutscher Tourismusverband (DTV): Trotz Rekordjahr: Deutschlandtourismus steht vor Investitionslücke



