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Bahnreisen im Herbst 2026: Jeder zweite Fernzug verspätet – was Reisende wissen müssen
Wer in diesem Herbst mit dem Fernzug durch Deutschland reist, muss mit erheblichen Einschränkungen rechnen: Im September 2026 erreichten nur 52,4 Prozent der ICE- und IC-Züge pünktlich ihr Ziel – fast jeder zweite Fernzug kam mit mehr als sechs Minuten Verspätung an. Das geht aus den aktuellen Pünktlichkeitswerten hervor, die die Deutsche Bahn auf ihrer Konzernwebsite veröffentlicht. Noch deutlicher fällt die sogenannte Reisendenpünktlichkeit aus, die verpasste Anschlüsse und Zugausfälle berücksichtigt: Nur 58,7 Prozent der Fernverkehrsfahrgäste kamen im September innerhalb von 15 Minuten nach der geplanten Zeit am gebuchten Zielbahnhof an.
Als Gründe nennt das Unternehmen ein hohes Baupensum in Verkehrsknoten und auf Hauptrouten sowie eine anhaltend hohe Zahl von Anlagenstörungen. Auf der Magistrale zwischen Berlin und Wolfsburg mussten ICE-Züge wegen des Streckenzustands zeitweise langsamer fahren; die Infrastrukturtochter DB InfraGO hat dort für Oktober umfangreiche Sanierungsarbeiten angekündigt. Der Jahresverlauf zeigt, dass die Lage seit dem Frühsommer angespannt ist: Nach einem zwischenzeitlichen Hoch von 64,4 Prozent im April sank die Fernverkehrspünktlichkeit auf Werte um 52 bis 54 Prozent in den Monaten Juni bis September.
Für Urlaubsreisende ist die Entwicklung relevant, weil die Nachfrage im Inlandstourismus hoch bleibt. Im August 2026 zählte das Statistische Bundesamt 58,7 Millionen Gästeübernachtungen in deutschen Beherbergungsbetrieben – zwar 1,1 Prozent weniger als im Vorjahresmonat, aber auf einem Niveau, das die Beherbergungsstatistik weiterhin nahe am Rekordjahr 2025 mit 497,5 Millionen Übernachtungen sieht. Die Zahl der Übernachtungen von Gästen aus dem Inland ging im August um 1,6 Prozent auf 48,8 Millionen zurück, während der Ausländerverkehr zulegte.
Regionalverkehr deutlich stabiler als der Fernverkehr
Deutlich besser sieht es im Nah- und Regionalverkehr aus, mit dem nach Angaben des Konzerns rund 95 Prozent der Bahnreisenden unterwegs sind: 88,2 Prozent der Regionalzüge lagen im September im Plan, ein Prozentpunkt über dem Vorjahreswert. In die Monatsstatistik fließen mehr als 800.000 Fahrten ein, darunter rund 20.000 Fernverkehrsfahrten und etwa 780.000 Nahverkehrsfahrten inklusive aller S-Bahnen. Ein Halt gilt dabei als pünktlich, wenn die planmäßige Ankunftszeit um weniger als sechs Minuten überschritten wird.
Für Reisende auf kürzeren Strecken – etwa für Städtetrips in der Nebensaison – ist der Regionalverkehr damit rechnerisch verlässlicher. Zugleich verteuert sich diese Option zum Jahreswechsel: Das Deutschlandticket kostet seit dem 1. Januar 2026 monatlich 63 Euro statt zuvor 58 Euro, und für 2027 ist nach Angaben der Verkehrsunternehmen ein weiterer Schritt auf 66,80 Euro vorgesehen. Eine vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebene Evaluation des Deutschlandtickets kommt in einem Zwischenbericht zu dem Ergebnis, dass sich das Verkehrsverhalten der Nutzer auch mit der Preiserhöhung 2026 bislang nicht wesentlich verschoben hat.
Was Reisende bei der Planung beachten können
Verbraucherschützer raten angesichts der Pünktlichkeitslage im Fernverkehr dazu, bei Anschlusszügen großzügige Umstiegszeiten einzuplanen und wichtige Termine nicht auf die letzte Verbindung des Tages zu legen. Bei Verspätungen ab 60 Minuten am Zielort stehen Fahrgästen nach den europäischen Fahrgastrechten 25 Prozent des Fahrpreises zu, ab 120 Minuten 50 Prozent; die Entschädigung lässt sich über das Fahrgastrechte-Formular oder die Anwendungen der Bahn geltend machen. Wer mit einer durchgehenden Fahrkarte einen Anschluss verpasst, kann die Zugbindung aufheben lassen und den nächsten verfügbaren Zug nutzen.
Die Bahn verweist zudem auf ihre digitale Reiseauskunft, in der Verspätungsprognosen und alternative Verbindungen angezeigt werden. Für die Reisendenpünktlichkeit wertet der Konzern eigenen Angaben zufolge monatlich die Reisen von durchschnittlich über zehn Millionen Fernverkehrsfahrgästen aus – dieser Wert gilt unter Fahrgastverbänden als aussagekräftiger als die reine Zugstatistik, weil er die tatsächliche Ankunft am Ziel misst.
Auch das Verkehrsaufkommen spricht dafür, dass das Thema viele Reisende betrifft: Nach den Pünktlichkeitsangaben des Konzerns werden für die Reisendenpünktlichkeit monatlich die Reisen von durchschnittlich über zehn Millionen Fernverkehrsfahrgästen ausgewertet. Gerade in den Ferienwochen und an verlängerten Wochenenden konzentrieren sich die Buchungen auf wenige Hauptverbindungen – etwa zwischen Hamburg, dem Ruhrgebiet, Frankfurt und München sowie auf den Auslandsstrecken Richtung Basel, Paris und Wien. Treffen dort Verspätungen auf volle Züge, verschärft sich die Lage für Umsteiger zusätzlich, weil Ersatzverbindungen häufig ebenfalls ausgelastet sind. Die Bahn rät in solchen Fällen zur Platzreservierung und zum Einsatz der Verbindungsprognose, die auf Basis historischer Verspätungsdaten errechnet, wie wahrscheinlich ein Anschluss zu erreichen ist. Unabhängig davon bleibt der Regionalverkehr für viele Inlandsreisen eine Option: Auf kürzeren Distanzen zwischen Großstädten und ihren Umlandregionen liegen die Fahrzeitnachteile gegenüber dem Fernverkehr oft im Rahmen einer halben bis einer Stunde – bei einer Planpünktlichkeit, die mit 88,2 Prozent im September deutlich über dem Fernverkehrsniveau lag. Reiseportale und Fahrgastverbände weisen zudem darauf hin, dass sich der Ticketkauf kurzfristig lohnen kann, wenn Flextickets wegen der Unsicherheit ohnehin erwogen werden: Sparpreise sind zwar an einen Zug gebunden, die Zugbindung entfällt jedoch, sobald eine Verspätung von mindestens 20 Minuten prognostiziert wird – der Preisvorteil bleibt in dem Fall erhalten.
Ausblick auf die Wintersaison
Ob sich die Lage zum Jahresende entspannt, ist offen. Die Statistik des Konzerns zeigt, dass der Dezember 2025 mit 61,7 Prozent Fernverkehrspünktlichkeit einer der besseren Monate war – zugleich gelten Winterwetter und das Weihnachtsreiseaufkommen als Belastungsfaktoren. Die angekündigten Sanierungsarbeiten auf der Strecke Berlin–Wolfsburg dürften nach Einschätzung von Verkehrsexperten kurzfristig zu weiteren Einschränkungen führen, mittelfristig jedoch die Streckenqualität verbessern. Reisende, die in den kommenden Wochen Fernstrecken planen, sollten die tagesaktuellen Meldungen der Bahn vor Abfahrt prüfen.
Quellen
- Deutsche Bahn: Erläuterung Pünktlichkeitswerte für den September 2026 – deutschebahn.com
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Tourismus in Deutschland im August 2026, Pressemitteilung Nr. 361 vom 9. Oktober 2026 – destatis.de
- Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMV): Evaluation Deutschlandticket, Zwischenbericht – bmv.de



