Luftverkehr 2026: Inlandsflüge bleiben halbiert

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Das Passagieraufkommen an den deutschen Flughäfen stagniert: Von Januar bis September 2026 nutzten nach Angaben des Flughafenverbandes ADV 163,52 Millionen Passagiere die deutschen Flughäfen – 0,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum und 14,3 Prozent weniger als 2019. Besonders ausgeprägt bleibt der Rückstand im innerdeutschen Verkehr: Dort erreichte das Aufkommen laut ADV in den ersten neun Monaten des Jahres nur 49,1 Prozent des Niveaus von Januar bis September 2019. Für Reisende bedeutet das vor allem ein dünneres Streckennetz innerhalb Deutschlands.

Die amtliche Statistik zeichnet für das abgeschlossene Vorjahr dasselbe Bild. Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) vom 29. Januar 2026 zählten die deutschen Hauptverkehrsflughäfen im Jahr 2025 rund 207,2 Millionen Fluggäste. Das waren 3,9 Prozent mehr als 2024, aber 8,6 Prozent weniger als im Rekordjahr 2019, in dem die Flughäfen mit 226,7 Millionen Fluggästen ein Allzeithoch verzeichnet hatten. Die Statistik erfasst nach Angaben von Destatis die Flughäfen mit mehr als 150.000 Fluggästen im Vorjahr; das waren 2025 deutschlandweit 22 Flughäfen.

Der Abstand zum Vorkrisenniveau verteilt sich dabei sehr ungleich auf die Marktsegmente. Laut Destatis legte der Flugverkehr mit dem Ausland 2025 um 4,1 Prozent auf 195,3 Millionen Fluggäste zu und lag damit nur noch 4,1 Prozent unter dem Wert von 2019. Die Zahl der Fluggäste auf Inlandsflügen blieb dagegen mit 11,9 Millionen nahezu unverändert (plus 0,3 Prozent) und war damit laut Destatis noch immer um 48,4 Prozent niedriger als 2019 – also fast halbiert.

Innerdeutscher Verkehr schrumpft weiter

Die Entwicklung hat sich 2026 fortgesetzt. Nach der ADV-Monatsstatistik flogen von Januar bis September 2026 insgesamt 17,17 Millionen Passagiere innerdeutsch, 2,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Im Monat September allein zählte der Verband 2,19 Millionen Passagiere im innerdeutschen Verkehr – ein Rückgang von 5,9 Prozent gegenüber September 2025 und eine sogenannte Recovery-Rate von lediglich 51,7 Prozent gegenüber September 2019.

Als Gründe nennt der Flughafenverband ADV in seiner Monatsstatistik ausdrücklich Angebotsstreichungen: Die Zahl der gewerblichen Starts und Landungen lag von Januar bis September 2026 um 3,4 Prozent unter dem Vorjahreswert und erreichte nur 78,9 Prozent des Vorkrisenniveaus von 2019. Im September 2026 registrierte der Verband 172.649 gewerbliche Flugbewegungen, rund 16.000 weniger als im Vorjahresmonat. Laut ADV begrenzen die anhaltenden Streckenstreichungen der Airlines die Wachstumsperspektiven; der Verband verweist zudem auf geopolitische Unsicherheiten sowie hohe Standort- und Energiekosten.

Europa- und Interkontinentalverkehr entwickeln sich davon abgekoppelt. Im Europaverkehr zählte die ADV von Januar bis September 2026 nach eigenen Angaben 115,41 Millionen Passagiere, 0,8 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum; die Recovery-Rate gegenüber 2019 gibt der Verband mit 94,4 Prozent an. Im September 2026 übertraf der Europaverkehr mit einer Recovery-Rate von 104,3 Prozent erstmals das Aufkommen des Vergleichsmonats 2019. Der Interkontinentalverkehr erreichte im September 3,78 Millionen Passagiere und lag damit 1,0 Prozent unter dem Vorjahresmonat.

Deutschland hinkt im EU-Vergleich nach

Im europäischen Vergleich fällt der deutsche Markt auf. Nach einer Auswertung von Eurostat-Daten, die das Statistische Bundesamt am 11. August 2026 veröffentlichte, starteten von den Flughäfen der EU im Jahr 2025 rund 808,9 Millionen Fluggäste – der höchste Wert seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2008 und ein Zuwachs von fünf Prozent gegenüber den 773,7 Millionen des Jahres 2024. Der Flugverkehr nahm nach dieser Auswertung in allen 27 EU-Staaten zu.

Deutschland lag dabei unter dem EU-Durchschnitt: Die Zahl der abfliegenden Passagiere stieg hier laut der Destatis-Auswertung um vier Prozent, während die Slowakei ein Plus von 22 Prozent verzeichnete und Malta, Polen und Zypern jeweils rund zwölf Prozent zulegten. In absoluten Zahlen registrierte Spanien mit rund 6,2 Millionen zusätzlichen abfliegenden Passagieren die größte Zunahme, gefolgt von Italien mit rund 5,4 Millionen und Deutschland mit rund 3,9 Millionen. Insgesamt war Spanien 2025 mit rund 160,2 Millionen abfliegenden Fluggästen das EU-Land mit den meisten Flugpassagieren; in Italien waren es 114,7 Millionen, in Deutschland 109,2 Millionen und in Frankreich 97,9 Millionen.

Die Zahlen beider Statistiken sind nicht unmittelbar vergleichbar. Destatis weist in den methodischen Hinweisen zur Jahresmeldung darauf hin, dass im Auslandsverkehr ein- und aussteigende Fluggäste erfasst werden, im Inlandsverkehr dagegen ausschließlich abfliegende Fluggäste, um Doppelzählungen zu vermeiden; der Transitverkehr ist nicht enthalten. Für die EU-Auswertung werden nach Angaben des Bundesamtes ausschließlich abfliegende Fluggäste betrachtet. Die ADV-Monatsstatistik bezieht sich auf das Lokalaufkommen an den deutschen Flughäfen und erscheint monatlich, deutlich vor den amtlichen Jahresergebnissen.

Für die Reiseplanung sind vor allem zwei Befunde relevant. Erstens: Das Angebot auf innerdeutschen Strecken ist nach den Zahlen der ADV strukturell kleiner als vor 2019 – wer zwischen deutschen Städten fliegen will, trifft auf weniger Verbindungen und muss längere Umsteigeketten oder die Bahn einkalkulieren. Zweitens: Im Europaverkehr hat das Angebot das Vorkrisenniveau nach Verbandsangaben im September 2026 erstmals wieder übertroffen, was die Auswahl an Zielen innerhalb Europas betrifft.

Beim Frachtverkehr verläuft die Erholung bereits seit Längerem anders als im Passagiergeschäft. Laut Destatis wurden 2025 an den deutschen Hauptverkehrsflughäfen 4,75 Millionen Tonnen Luftfracht transportiert, 1,7 Prozent mehr als 2024 (4,67 Millionen Tonnen) und damit 1,4 Prozent über dem Niveau von 2019 (4,68 Millionen Tonnen). Die ADV meldete für September 2026 ein Frachtaufkommen von 419.107 Tonnen, ein Plus von 5,8 Prozent gegenüber September 2025 und von 9,8 Prozent gegenüber September 2019.

Weitere Daten zum Passagier- und Frachtverkehr veröffentlicht das Statistische Bundesamt in der Datenbank Genesis-Online (Tabellen 46421); die ADV aktualisiert ihre Monatsstatistik laufend. Beide Quellen weisen die Entwicklung nach Flughäfen und Marktsegmenten getrennt aus.

Quellen

  • Statistisches Bundesamt (Destatis), Pressemitteilung Nr. 031 vom 29. Januar 2026: „3,9 % mehr Fluggäste im Jahr 2025 als im Vorjahr“ – destatis.de
  • Flughafenverband ADV, ADV-Monatsstatistik September 2026 – adv.aero
  • Statistisches Bundesamt (Destatis) auf Basis von Eurostat-Daten, 11. August 2026: „Zahl der Flugpassagiere in der EU auf Höchststand“ – destatis.de

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